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Das erste Projekt zur regionalen Entwicklung (PRE) im Kanton Jura mit den Namen «les chemins du bio» (Bio-Wege) konnte die Umsetzungsphase 2016 abschliessen. Es umfasst pauschale Agrotourismus-Angebote in einem Zusammenschluss von Bio-Bauernhöfen. Das Konzept wurde global gemäss Businessplan entwickelt und konnte fast vollständig realisiert werden, um zu einer Einkommenssteigerung der Landwirte beizutragen. Seit 2012 konnte sich das PRE gut weiterentwickeln und beziffert sich heute auf 30 Agrotourismus-Bauernhöfe, 19 Wanderwege und rund 170 Gäste im Jahr 2015. Das PRE hat jedoch noch nicht all seine Möglichkeiten ausgeschöpft und kann noch schöne Innovationen anstreben. Ausserdem vermag der Umsatzzuwachs die wirtschaftliche Tragfähigkeit noch nicht zu gewährleisten. Die Infrastrukturen, die 2016 hinzugekommen sind, haben noch nicht ihr gesamtes Potenzial erschlossen, um die Nachhaltigkeit des PRE zu sichern.

Mit dem Instrument der PRE gemäss dem Landwirtschaftsgesetz (LwG) haben Bund und Kantone die Möglichkeit, landwirtschaftliche Gemeinschaftsprojekte zu unterstützen. Das PRE «les chemins du bio» wurde von einer Trägervereinigung konzipiert und vorbereitet. Diese zählte anfänglich 21 Mitglieder – heute sind es deren 36, davon 30 Agrotourismus-Bauernhöfe (17 zu Projektbeginn). Sie erarbeitete ein Konzept, um Bio-Bauernhöfe des Kantons Jura zu vernetzen und mit reizvollen Wanderrouten miteinander zu verbinden. Ziel ist es, mittels der Vernetzung von Bio-Bauernhöfen die Dynamik der biologischen Landwirtschaft der gesamten Jura-Region zu fördern.

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Agrotourismus-Bauernhof von Jeoffrey Cattin in Cornol

Ausgehend von einer Vorstudie mit elf Investitionsprojekten wurden schliesslich deren fünf gemäss den Anforderungen an Dossiers für Strukturverbesserungen gezielt und detailliert dokumentiert. Die Konzipierung und Vorbereitung dieses PRE nahmen vier Jahre in Anspruch. Das Konzept erfüllt die Auflagen, die für PRE gelten, und wurde unter aktiver Mitwirkung von Bund und Kanton Jura erstellt.

Die Umsetzung des Projekts startet 2012 mit dem Spatenstich für die ersten Bauten von Agrotourismus-Angeboten und Gästezimmern und der konkreten Phase der Realisierung und Öffnung der ersten Wege.

Aktueller Stand des Projekts

Die Umsetzungsphase wurde mit der Genehmigung der Schlussabrechnung vom 29. September 2016 gemäss der vom Bund, dem Kanton Jura und der Vereinigung «les chemins du bio» unterzeichneten Vereinbarung abgeschlossen. Das Projekt hat sich global gemäss Businessplan entwickelt, und die Unterprojekte konnten fast alle realisiert werden. Dank der Entwicklung wie auch der Leitung und Förderung des Konzepts konnte ein Angebot von 19 Routen realisiert werden. Das Wegnetz deckt das gesamte Kantonsgebiet ab. Die Infrastrukturbauten für den Gästeempfang, die Unterkünfte und die gastronomischen Angebote wurden fertiggestellt. Die Infrastrukturen, die 2016 hinzugekommen sind, haben ihr Potenzial über die Öffnung neuer Wege jedoch noch nicht erschlossen. Die Analyse der vierjährigen Umsetzung zeigt, dass das Konzept der Bio-Wege noch nicht ausgereizt ist und noch auf interessante neue Angebote bezüglich Flexibilität der Routen, Interaktion mit der Natur, Animationen rund um die Bauernhöfe und Möglichkeiten für den Langsamverkehr hoffen lässt.

Landwirtschaftliche Wertschöpfung und grösste Erfolge

Nebst den messbaren finanziellen Einkünften, die das Projekt generiert, profitierten die Agrotourismus-Bauernhöfe indirekt finanziell und werbetechnisch von den Bemühungen der Vereinigung. Die Bauernhöfe, die als Etappenziele der Wege Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste bieten, werden wohl die grössten Erfolge verbuchen.

Die Schaffung von Agrotourismus-Angeboten auf den Bio-Wegen wurde vollumfänglich erfüllt. 2016 umfasste es 19 ein- bis dreitätige Routen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade, die alle fünf vordefinierten Jura-Regionen abdecken, wobei bereits fast alle dieser Wege von Wandergästen unter die Füsse genommen wurden.

Die Infrastrukturbauten für den Gästeempfang, die Unterkünfte und die gastronomischen Angebote, die zu Beginn der Umsetzungsphase erstellt wurden, machten das Konzept dynamisch und ermöglichten eine weitgehende Zielerreichung. Die Konkretisierung eines ganzen Wegnetzes trug dazu bei, das Angebot vielfältig und abwechslungsreich zu gestalten. Die überaus positiven Rückmeldungen der Wandergäste motivierten zu Anpassungen der Angebote, um den Erwartungen noch besser zu entsprechen. Dank dem Interesse der touristischen Einrichtungen für die Bio-Wege konnten insbesondere bezüglich Kommunikation und Sichtbarkeit Synergien genutzt werden.

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Empfang des Agrotourismus-Bauernhofs von Rolf Amstutz in Mormont, Courchavon

Perspektiven des PRE

Ein Investitionsprojekt für ein Agrotourismus-Bauernhof, das erst 2016 realisiert wurde, konnte in der Umsetzungsphase nicht zum Erfolg beitragen, und das Projekt eines Verteilzentrums hat sich verzögert. Eine Arbeitsgruppe befasst sich derzeit mit der Frage, in welcher Form ein solches Zentrum den Bio-Produkten aus der Region zur gewünschten Dynamik verhelfen kann. Der Umsatzzuwachs über die letzten vier Jahre der Umsetzungsphase mit einem jährlichen Aufwärtstrend zwischen 45 und 55 % auf rund 40 000 Franken vermag die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Konzepts derzeit nicht zu gewährleisten. Hierzu wäre ein Umsatz von rund 90 000 Franken erforderlich. Da dieses Projekt in nur vier Jahren umgesetzt werden musste, konnte die gewünschte finanzielle Autonomie nicht erreicht werden. Vor diesem Hintergrund hat die Vereinigung verschiedene Szenarien entwickelt, die alle auf eine weitere Ausschöpfung des Konzepts ausgerichtet sind. Die Vereinigung hat sich für die Option entschieden, die Weiterentwicklung des Konzepts mittels der Aufnahme von neuen Mitgliedern und neuen Wegen sowie weiterer Innovationen bei den bestehenden Angeboten voranzutreiben. Diese Ausrichtung erfordert zusätzliche Mittel, um diese Entwicklung gewährleisten zu können. Auf diesem Weg ist eine schrittweise Übertragung der Management-, Verwaltungs- und Umsetzungsaufgaben auf andere Personen vorgesehen. Positive Finanzaussichten basierend auf neuen gesetzlichen Grundlagen zur Förderung von Innovation, Zusammenarbeit und Wissensaufbau im Tourismus (Innotour) werden die weitere Entwicklung des Konzepts unterstützen. Auf jeden Fall ist eine schrittweise Ausdehnung der Eigenverantwortung seitens der Leistungserbringer des Konzepts nötig, um seine langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit sicherzustellen. Ausserdem verfügt das Projekt noch über grosses Entwicklungs- und Innovationspotenzial.

Substantielle Investitionen ohne Überschreitungen

Massnahmen    Kosten, in Fr.Kosten, in Fr.
 Beitragsberechtigt
(gemäss Vereinbarung von 2012)
Gemäss Schluss-
abrechnung 2016
Investitionen in Projekte verschiedener Partner:
Agrotourismus-Bauernhöfe und Gästezimmer    

Fr. 1 557 600.–

Fr. 1 550 406.–
Kollektive Investitionen: Verteilzentrum für Bio-Produkte, Management und Förderung des Konzepts «les chemins du bio»    

Fr. 971 900.–


Fr. 912 500.–
Gesamtkosten    Fr. 2 529 500.–Fr. 2 462 906.–

Die beitragsberechtigten Kosten des PRE belaufen sich auf 2 529 500 Franken nach Abzug der Mobiliarinvestitionen. Gemäss der Schlussabrechnung von 2016 war der Betrag der Gesamtinvesitionen rund 3 % tiefer (66 594 Fr. weniger) als zum Zeitpunkt der Unterzeichnung der Vereinbarung angenommen.

Bei der Finanzierung kam die Vereinigung «les chemins du bio» in den Genuss von Strukturverbesserungsbeiträgen (BLW) in Höhe von 39 % sowie einer Beihilfe von 31 % seitens des kantonalen Service de l'économie rurale (ECR) auf den Betrag der Schlussabrechnung. Dank dieser Unterstützungsleistungen betrug die Beteiligung der Vereinigung «les chemins du bio» und ihrer Mitglieder 30 %, die aus Eigenmitteln, Bankdarlehen und persönlichen Arbeiten finanziert werden.

Eckdaten des Projekts

18. April 2008Beitragsbescheid von BLW und ECR zugunsten der Vorstudie dieser gemeinschaftlichen Projektinitiative    
24. April 2009Einreichung der Vorstudie bei BLW und ECR    
10. August 2010Gründungsversammlung der Vereinigung «les chemins du bio»
25. Januar 2011Einreichung der Dokumentationsstudie und des Businessplans bei BLW und ECR    
22. März 2011positiver Vorbescheid des BLW    
5. Juli 2011Subventionierungsentscheid der Kantonsregierung    
30. November 2011Unterzeichnung der Zusage der Investoren zur Vereinbarung
15. Februar 2012Unterzeichnung der Vereinbarung zwischen dem Bund, dem Kanton und der Vereinigung «les chemins du bio»
10. Mai 2012Eröffnung der ersten zwei Wege    
27. September 2012Nominierung von «les chemins du bio» für den Wettbewerb «Milestone» in der Kategorie «Umweltpreis»    
20. Oktober 2012Einweihung des ersten Agrotourismus-Bauernhofs    
2012–2016Investitionen in Einzel- und Gemeinschaftsprojekte der verschiedenen Partner
30. Juni 2016Frist für die Umsetzung der Massnahmen und die Erreichung der Ziele des PRE    
29. September 2016Genehmigung der Schlussabrechnung des PRE    
17. November 2016                        Schlusszahlung der Beiträge von Bund und Kanton

Website von «les chemins du bio»: www.lescheminsdubio.ch oder www.knospehof.ch

Pierre Frund, Service de l'économie rurale des Kantons Jura, pierre.frund@jura.ch

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