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Als Teil des Landwirtschaftlichen Wissens- und Innovationssystems LIWIS ist die landwirtschaftliche und bäuerlich-hauswirtschaftliche Beratung in der Schweiz auf zwei Stufen organisiert. Die Direktberatung der Bauernfamilien geschieht vor Ort in erster Linie durch die kantonalen Beratungsdienste. In einigen spezifischen Wissensgebieten wie Bienen, Geflügel oder Alpwirtschaft sind Beratungsdienste von landwirtschaftlichen Organisationen tätig.

Die AGRIDEA unterstützt die Beratungskräfte in den Kantonen und Organisationen. Als Verein bietet die AGRIDEA in erster Linie Leistungen für ihre Mitglieder an, nämlich die Kantone und ca. 40 landwirtschaftliche Organisationen. Sie bietet unter anderem Weiterbildungskurse für Beratungskräfte an oder koordiniert Plattformen und Foren für den Austausch von Wissen und Erfahrungen.

Zu erwähnen sind im gesamten Wissens- und Innovationssystem weitere Akteure, die in Beratung und Informationsaustausch unterschiedlich stark aktiv sind: Agroscope, Fachhochschulen, das FiBL, Verbände, Medien und die Privatwirtschaft.

Finanzielle Mittel 2016

Der Bund leistet Finanzhilfen an AGRIDEA und an einige der oben erwähnten Beratungsdienste in den spezifischen Wissensgebieten. Zudem unterstützt er Abklärungen für gemeinschaftliche Projektinitiativen in ihrer Anfangsphase. Ausserdem kann das BLW im Rahmen der wettbewerblichen Vergabe von Beratungsprojekten Vorhaben unterstützen, die es selber ausschreibt oder die in Form von Beitragsgesuchen von Dritten eingereicht werden. Die kantonalen Beratungsdienste finanzieren sich durch Kantonsbeiträge und die Verrechnung von Leistungen.

Ausgaben des Bundes im Beratungswesen 2016

EmpfängerMio. Fr.
Beratungszentrale (AGRIDEA)8,4
Spezial-Beratungsdienste landwirtschaftlicher Organisationen1,4
Gemeinschaftliche Projektinitiativen0,6
Wettbewerbliche Vergabe von Beratungsprojekten: Ausschreibungen0,3
Wettbewerbliche Vergabe von Beratungsprojekten: Beitragsgesuche0,8
Total11,6

Quelle: Staatsrechnung

Wettbewerbliche Vergabe im Beratungswesen

Mit dem Mittel der wettbewerblichen Vergabe will das BLW den Wettbewerb und die Kostenvergleichbarkeit im Beratungswesen fördern. Neue Akteure haben die Möglichkeit, in der Beratung aktiv zu werden und ihre Wirksamkeit und Effizienz unter Beweis zu stellen. Auch bekannte Akteure können Fördergelder beantragen, wenn sie neue Beratungsinhalte aufgreifen oder neue methodische Vorgehensweisen vorschlagen. In den vergangenen drei Jahren haben beide Gruppen regen Gebrauch von dieser Möglichkeit gemacht. Insbesondere treten neue Akteure vor allem im Bereich der Digitalisierung und von Smart Farming auf.

Bei den Ausschreibungen waren im Jahr 2016 zwei grössere Projekte am Laufen: die Überarbeitung der Anleitung zur Schätzung des Ertragswerts und die erste Phase des Projektes Mehrwert durch überbetriebliche Kooperationen. Letztere beinhaltet eine umfassende Zusammenstellung des Wissens für drei Arten von Kooperationen, die für eine kosteneffiziente Bewirtschaftung wichtig sind: Flächennutzung, Investitionen in Maschinen und Gebäude sowie Zusammenarbeitsformen.

Beitragsgesuche werden intern, je nach Thema auch extern, geprüft und bewertet. Die Geschäftsleitung des BLW entscheidet abschliessend, ob und mit welchem Betrag die eingereichten Projekte unterstützt werden. Bei gutgeheissenen Projekten schliesst das BLW mit den Projektträgern Finanzhilfeverträge ab. 2016 wurden 17 neue Beitragsgesuche eingereicht, von denen 12 bewilligt wurden. Von den Gesuchen wird erwartet, dass sie klaren Projektcharakter aufweisen: Sie müssen eine im Voraus bestimmte Laufzeit aufweisen (keine Dauerfinanzierung). Zudem sollen sie Neues aufgreifen, erarbeiten und vermitteln, also einen Innovationseffekt haben (keine Finanzierung normaler Direktberatungsleistungen). Ebenso wird erwartet, dass sie einen Anteil Eigenmittel in Form von Geld oder Arbeitszeit beisteuern. Projekte werden unter anderem abgelehnt, weil sie zu wenig Projektcharakter haben, als nicht prioritär beurteilt werden oder den Rahmen der verfügbaren finanziellen Mittel übersteigen. Die Erfahrung der letzten drei Jahre zeigt, dass Projekte mit kurzer Laufzeit und klar umrissener, enger Fragestellung häufig besser beschriebene Gesuche einreichen, als weit gespannte Projekte mit längerer Laufzeit. Das BLW ist bestrebt, durch klarere Vorgaben die Qualität der Gesuche zu verbessern.

Im Jahr 2016 waren insgesamt 22 Projekte am Laufen. Diese wurden mit 1,1 Millionen Franken gefördert. Über die gesamte Laufzeit der Projekte – Vorjahr und Folgejahre zusammengerechnet – beträgt das Fördervolumen 3 Millionen Franken. Projekte dauern von einigen Monaten bis maximal fünf Jahre.

Die Projekte werden von Fachleuten des BLW begleitet und periodisch evaluiert. Auszahlungen erfolgen nur, wenn die Tätigkeiten nach Projektplan ausgeführt werden und wenn die Teil- und Schlussevaluationen positiv ausfallen.

Im Jahr 2016 wurden mehrere Projekte abgeschlossen. Eine Auswertung der bisher abgeschlossenen Projekte zeigt, dass die vertraglich vereinbarten Tätigkeiten ausgeführt und die erwünschten Produkte vorliegen. Erkenntnisse werden auch über die Art und Weise des Vorgehens gewonnen und ob die Resultate auf andere Situationen übertragbar sind. Anderseits ist es schwierig zu beurteilen, welche messbare Wirkung die Projekte in der Praxis erzielt haben oder noch erzielen werden. Diese Erhebungen wären mit erheblichem Mehraufwand verbunden. Häufig ist es so, dass Wirkungen erst nach Abschluss der unterstützten Projektdauer zu erwarten sind.

Zugesicherte und 2016 ausbezahlte Mittel für Beratungsprojekte,
aufgelistet je nach Beratungsaufgabe und nach strategischer Leitlinie des BLW
(Ausschreibungen und Beitragsgesuche)

BeratungsaufgabeLaufende  ProjekteZugesicherter Betrag
über die gesamte Laufzeit
Ausbezahlter Betrag 2016
 Anzahlin 1 000 Fr.in 1 000 Fr.
Beratungssystem optimieren
(Beratung <=> Praxis)

3

299

220
Neues Wissen in die Praxis einführen (Wissenschaft <=> Praxis)
9

1 656

516
Erfahrungen verbreiten
(Praxis <=> Praxis)

5

662

243
Rahmenbedingungen und
Massnahmen vermitteln (Verwaltung/
Gesellschaft <=> Praxis)


5


477


162
Total223 0941 141

Quelle: BLW

Strategische Leitlinie des BLWBewilligte ProjekteZugesicherter Betrag
über die gesamte Laufzeit
Ausbezahlter Betrag 2016
 Anzahlin 1 000 Fr.in 1 000 Fr.
Nachhaltige Produktion, Produkte
und Leistungen

8

1 239

430
Wettbewerbsfähige Produktion
und Produkte

6

910

466
Nutzung und Bewahrung der Produktionsressourcen
8

945

245
Total223 0941 141

Quelle: BLW

Anton Stöckli, Markus Lötscher, BLW, Fachbereich Forschung, Innovation, Evaluation,anton.stoeckli@blw.admin.ch

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